giessener anzeigerGießener Anzeiger, 17.02.2007

Elternbeirat der Adolf-Reichwein-Schule hatte Sabine Eder eingeladen — Fast 70 Interessierte waren gekommmen.

 

WATZENBORN-STEINBERG (mbe). "Man kann von seinen Kindern nicht immer geliebt werden". Medienerziehung ist auch eine Aufgabe der Eltern, bedeutet Einflussnahme und Verantwortung tragen. Sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Kindern. Das erfuhren fast 70 interessierte Eltern, die sich auf Einladung des Elternbeirates der Adolf-Reichwein-Schule zu dem Vortrag "Gefährdungspotential des Internet" in der Aula der Schule eingefunden hatten.

Sabine Eder, der Vorsitzenden des Göttinger Vereins "Blickwechsel - Verein für Medien- und Kulturpädagogik" mit einer Beratungsstelle in Gießen, hatte der Elternbeirat eine fundierte Kennerin des Themas mit all seinen Problemen und Gefahren gewonnen.

Peter Kohler, der Vorsitzende des Eltembeirates an der Adolf-Reichwein-Schule hieß die Anwesenden zur ersten Veranstaltung dieser Art willkommen und kündigte für die Zukunft weitere mit wechselnden Themen an.

Sabine Eder hielt keinen "Frontalvortrag" sondern bezog die Eltern in das Gespräch ein. Manch einer erinnerte sich bei vielen bildlichen Beispielen sicher an selbst erlebte Situationen zu Hause.

Eder stellte die "Architektur des Internet" vor, geboren als militärisches Netzwerk in einer Zeit, da noch keiner mit einer derart weltumspannenden Funktion gerechnet hatte. Nicht allein das „www" zähle dazu. Sondern vielmehr seien es die unzähligen "Chat-Rooms", „Foren" und vieles mehr, von denen Gefahren ausgehen. Damit umzugehen und zu verstehen, was „die Kinder sehen", sei wichtig. Schnell hätten die Kinder verbotene Seiten angeklickt und im Chat oder in Foren Kontakte mit Pädophilen aufgenommen. Jugendschutz im Internet sei schwierig und kaum zu realisieren. Viele Anbieter würden die Verantwortung an Eltern und Kinderweitergeben. Anbieter die aus dem Ausland agierten, seien kaum zu greifen. Gerade weil schnell verbotene oder gar kostenpflichtige Seiten "angeklickt" würden, sei das Gespräch mit den Kindern notwendig. Den Kindern mitzuteilen, dass es Regeln gebe, ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln, sei Sache der Erziehung.

Eine radikale Eindämmung der „Zeiten vor dem Computer" sei sicherlich unmöglich. Zumal in Zeiten der Kommunikation der PC auch wichtig sei. Das von den Kindern stark genutzte Kommunikationsprogramm "icq" sei, so Eder, relativ sicher, solange Daten nicht auf irgendwelchen Wegen durch Andere weitergegeben würden. Da die von Eltern oft gewünschte Verantwortung der Anbieter nicht funktioniere, sei die Einflussnahme der Eltern wichtig.

Auch die Eltern berichteten von ihren Erfahrungen: Schnell wurde klar, dass "sexuelle Anmache" und sogar "virtueller Missbrauch" auf der Tagesordnung stehen. Dabei bleibe der Gegenüber fast

immer anonym und nicht greifbar" und versuche auf diesem Weg eine Vertrauensbasis aufzubauen. Damit sich in und nach solchen Situationen Kinder ihren Eltern anvertrauten, sei es erforderlich ihnen eine "Ich-Stärke" mitzugeben. Dies gelinge eben nur durch Erziehung. Zumal die ständige Kontrolle der Kinder - dies bestätigten die Eltern, die ausführten, dass man nicht immer "hinter ihnen stehen könne" – nicht möglich und auch nicht gewollt sei.

Allerdings hielten die Anwesenden es für ratsam, die Zeiten am Computer, in denen "gesurft" werde oder die in Foren verbracht würden, zu begrenzen.

Und trotzdem, die Anwesenden bestätigten dies: Es gibt immer wieder Diskussionen mit den Eltern. Gar Streit darüber, welche Zeit am Computer verbracht werden darf. Sabine Eder führte dazu noch aus. dass man sich vor Augen führen müsse, dass ein Kind, das auf diesen Wegen einen Erwachsenen kennenlerne, annehmen müsse, dass alle Erwachsenen "so seien". Kinder müssten daher kritisch erzogen werden. Und solange ein Kind noch etwas anderes mache, wie Sport und persönliche Kontakte zu anderen Kindern, seien alle auf dem richtigen Weg. Zudem sollten sich Eltern stets vor Augen führen, dass man sich mit Zugeständnissen, beispielsweise zu längeren Computernutzungszeiten, die Liebe der Kinder nicht erkaufen könne und auch nicht solle.

Bei Diskussionen müsse man daher auch einmal auf seinem Standpunkt beharren, etwas verbieten, denn: "Man kann nicht immer von seinen Kindern geliebt werden".