merz 2 13 U1kleinTablets im Kindergarten

Susanne Roboom

Dieser Artikel ist erschienen in der
merz medien+erziehung — zeitschrift für medienpädagogik
"Frühe Medienerziehung digital"
Nr. 2, April 2013, S. 40ff

 



Medien spielen schon in der Lebenswelt von Klein- und Vorschulkindern eine wesentliche Rolle. Doch noch immer gehört der Medieneinsatz im Elementarbereich zu den kontrovers diskutierten Themen. Die medienpädagogische Kompetenz der Erzieher/innen wie auch die technische Ausstattung der Kitas ist ausbaufähig und Medien nehmen in der Ausbildung von Erzieher/innen noch immer einen sehr geringen Stellenwert ein. Und da taucht auch schon wieder ein "neues" Medium auf und verlangt eine Stellungnahme und pädagogische Haltung! Tablets im Kindergarten? Wie bei jedem Medium, das in unseren Alltag Einzug hält, gibt es auch hier wieder konträre Lager: Tablets sind kinderleicht bedienbar und ermöglichen spielerisches Lernen, meinen die einen. Zu viel Medienkonsum gefährdet die Entwicklung, sagen die anderen. Und natürlich haben beide Standpunkte ihre Berechtigung und verdienen Beachtung. Auf das Wie kommt es an, wenn man diese "digitalen Alleskönner" in Kinderhände gibt. Wie kann das aussehen? Worauf muss man achten? Welche Erfahrungen gibt es bereits? Was können pädagogische Fachkräfte anbieten?

Noch ist der Einsatz von Tablets in Kindergärten nicht sehr verbreitet. Es gibt einzelne amerikanische Kitas sowie eine Kita in der Schweiz, die ihre Erfahrungen veröffentlicht haben, sowie einige Blogs, die über das Für und Wider diskutieren bzw. ihre Projekte beschreiben (vgl. z.B.: http://www.my-pad.ch/das-projekt ; http://ipad-agogik.de/?p=188). Eine Untersuchung in amerikanischen Kindergartengruppen bescheinigen dem Einsatz von Tablets größere Lernerfolge (http://ipad-mag.de/2012/04/10/ipad-kindergarten). Ob es nun an dem engagierteren Einsatz der pädagogischen Fachkräfte liegt, die sich mit neuen Möglichkeiten der Wissensvermittlung, dem kreativen und spielerischen Potenzial auseinandersetzen, oder tatsächlich am multimedialen Medium und spezifischer Software, sei dahin gestellt. In jedem Fall ist ein generelles Verteufeln nicht zielführend und auch nicht zeitgemäß.

Medienkompetenz, also der kompetente, kritische, aktive und kreative Umgang mit Medien, ist zu einer wichtigen Schlüsselqualifikation in unserer Gesellschaft geworden. Kinder und Erziehungsberechtige müssen lernen, sich in den Medienwelten zurecht zu finden und mit ihnen aktiv umzugehen, so besteht die Chance, dass sie am kulturellen und gesellschaftlichen Leben aktiv teilhaben. Doch die Zugangschancen von Kindern sind sehr unterschiedlich. Aktuell hat z.B. die Vorlesestudie 2012 der Stiftung Lesen wieder bestätigt, was z.B. Feierabend, Mohr u.a. bereits 2004 aufzeigten: Kindern aus bildungsnahen Familien wird bis zur Einschulung deutlich mehr vorgelesen als Kindern aus sozial schwächeren Milieus: da stehen bis zu 1700 Vorlesestunden gegen nur 24 Stunden in sechs Jahren. Die Vorlesestudie 2011 betont die zentrale Bedeutung des Vorlesens: Kinder und Jugendliche, denen in der Kindheit vorgelesen wurde, lesen heute häufiger, länger und mit mehr Spaß, sind in der Schule besser und auch musisch, kreativ und körperlich aktiver als Kinder, denen nicht vorgelesen wurde. Die Studie zeigt empirisch fundiert: "Vorlesen ist kein 'nice to have', sondern zentraler Impuls für Kompetenzentwicklung in ganz unterschiedlichen Bereichen" (Vorlesestudie 2011, S. 24).

Da Kindergärten zunehmend als Bildungsinstitution und nicht mehr ausschließlich als Betreuungseinrichtung verstanden werden, kommt hier ein erhöhter Bildungsauftrag auf sie zu. Wo frühkindliche Medienkompetenzförderung nicht geschieht, kann sich die so genannte Wissenskluft zwischen denjenigen vergrößern, die die Medien für ihre Bildungsziele einsetzen können, und denjenigen, die die Medien unkreativ und einseitig verwenden.

merz 2 13 U1kleinTablets im Kindergarten

Susanne Roboom

Dieser Artikel ist erschienen in der
merz medien+erziehung — zeitschrift für medienpädagogik
"Frühe Medienerziehung digital"
Nr. 2, April 2013, S. 40ff

 



Medien spielen schon in der Lebenswelt von Klein- und Vorschulkindern eine wesentliche Rolle. Doch noch immer gehört der Medieneinsatz im Elementarbereich zu den kontrovers diskutierten Themen. Die medienpädagogische Kompetenz der Erzieher/innen wie auch die technische Ausstattung der Kitas ist ausbaufähig und Medien nehmen in der Ausbildung von Erzieher/innen noch immer einen sehr geringen Stellenwert ein. Und da taucht auch schon wieder ein "neues" Medium auf und verlangt eine Stellungnahme und pädagogische Haltung! Tablets im Kindergarten? Wie bei jedem Medium, das in unseren Alltag Einzug hält, gibt es auch hier wieder konträre Lager: Tablets sind kinderleicht bedienbar und ermöglichen spielerisches Lernen, meinen die einen. Zu viel Medienkonsum gefährdet die Entwicklung, sagen die anderen. Und natürlich haben beide Standpunkte ihre Berechtigung und verdienen Beachtung. Auf das Wie kommt es an, wenn man diese "digitalen Alleskönner" in Kinderhände gibt. Wie kann das aussehen? Worauf muss man achten? Welche Erfahrungen gibt es bereits? Was können pädagogische Fachkräfte anbieten?

Noch ist der Einsatz von Tablets in Kindergärten nicht sehr verbreitet. Es gibt einzelne amerikanische Kitas sowie eine Kita in der Schweiz, die ihre Erfahrungen veröffentlicht haben, sowie einige Blogs, die über das Für und Wider diskutieren bzw. ihre Projekte beschreiben (vgl. z.B.: http://www.my-pad.ch/das-projekt ; http://ipad-agogik.de/?p=188). Eine Untersuchung in amerikanischen Kindergartengruppen bescheinigen dem Einsatz von Tablets größere Lernerfolge (http://ipad-mag.de/2012/04/10/ipad-kindergarten). Ob es nun an dem engagierteren Einsatz der pädagogischen Fachkräfte liegt, die sich mit neuen Möglichkeiten der Wissensvermittlung, dem kreativen und spielerischen Potenzial auseinandersetzen, oder tatsächlich am multimedialen Medium und spezifischer Software, sei dahin gestellt. In jedem Fall ist ein generelles Verteufeln nicht zielführend und auch nicht zeitgemäß.

Medienkompetenz, also der kompetente, kritische, aktive und kreative Umgang mit Medien, ist zu einer wichtigen Schlüsselqualifikation in unserer Gesellschaft geworden. Kinder und Erziehungsberechtige müssen lernen, sich in den Medienwelten zurecht zu finden und mit ihnen aktiv umzugehen, so besteht die Chance, dass sie am kulturellen und gesellschaftlichen Leben aktiv teilhaben. Doch die Zugangschancen von Kindern sind sehr unterschiedlich. Aktuell hat z.B. die Vorlesestudie 2012 der Stiftung Lesen wieder bestätigt, was z.B. Feierabend, Mohr u.a. bereits 2004 aufzeigten: Kindern aus bildungsnahen Familien wird bis zur Einschulung deutlich mehr vorgelesen als Kindern aus sozial schwächeren Milieus: da stehen bis zu 1700 Vorlesestunden gegen nur 24 Stunden in sechs Jahren. Die Vorlesestudie 2011 betont die zentrale Bedeutung des Vorlesens: Kinder und Jugendliche, denen in der Kindheit vorgelesen wurde, lesen heute häufiger, länger und mit mehr Spaß, sind in der Schule besser und auch musisch, kreativ und körperlich aktiver als Kinder, denen nicht vorgelesen wurde. Die Studie zeigt empirisch fundiert: "Vorlesen ist kein 'nice to have', sondern zentraler Impuls für Kompetenzentwicklung in ganz unterschiedlichen Bereichen" (Vorlesestudie 2011, S. 24).

Da Kindergärten zunehmend als Bildungsinstitution und nicht mehr ausschließlich als Betreuungseinrichtung verstanden werden, kommt hier ein erhöhter Bildungsauftrag auf sie zu. Wo frühkindliche Medienkompetenzförderung nicht geschieht, kann sich die so genannte Wissenskluft zwischen denjenigen vergrößern, die die Medien für ihre Bildungsziele einsetzen können, und denjenigen, die die Medien unkreativ und einseitig verwenden.

Das Tablet – der Alleskönner?!

Ein ganz klarer Vorteil von Tablets sei gleich zu Anfang genannt: alles in einem - eins für alles! Schafft sich die Kita ein Tablet an, so hat sie in einem einzigen Gerät einen Fotoapparat, eine Videokamera, ein Mikrofon, einen PC und eine Fülle von kreativen Werkzeugen und Anwendungsmöglichkeiten. Wo sonst viele Kaufentscheidungen nötig waren, muss sich das Team nun nur für ein Gerät entscheiden und kann (und muss!) aus einer Fülle von Apps wählen. Die „digitalen Alleskönner" sind kinderleicht bedienbar, es wird gewischt, gezoomt und getippt, das haben selbst die ganz Kleinen sehr schnell drauf, sie sind es ja oftmals auch schon von zuhause gewohnt und wischen sogar dann, wenn vor ihnen ein Stapel realer Fotos liegt... Bereits in jedem vierten Haushalt mit Kindern gibt es ein Tablet und die Ausstattung mit Smartphones liegt inzwischen bei über 80% (Quellen: Vorlesestudie 2012 der Stiftung Lesen; FiM-Studie 2011 des mpfs).

Neben der kinderleichten Bedienbarkeit und dem all-in-one-Prinzip gibt es einige weitere Argumente, die für das Tablet sprechen (die Frage, ob iOS-, Windows- oder Android-Tablet soll hier nicht diskutiert werden, denn dazu gibt es umfangreiche Abhandlungen im Internet). Die Geräte sind extrem leicht, platzsparend und schnell einsetzbar. Sie sind relativ robust, wenig störanfällig und die Akkulaufzeit beträgt inzwischen bis zu 10 Stunden, ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die medienpädagogische Projektarbeit. Leider fehlt die Möglichkeit, wie z.B. bei einer Kamera, einen Tragegurt zu befestigen, der zur Sicherheit um das Handgelenk gebunden wird.

Das Tablet im Kita-Alltag

Hat sich die Kita – natürlich erst nach vorheriger Auseinandersetzung mit den pädagogischen Herausforderungen und Zielsetzungen – ein Tablet angeschafft, gilt es, gemeinsam mit den Kindern Verhaltensregeln aufzustellen und Nutzungsvereinbarungen zu treffen – genauso wie für jedes andere neue Spielzeug oder eine neue Funktionsecke auch. Vorsicht ist immer geboten, wenn die Technik im übertragenen Sinne auf ein Podest gestellt wird. Wenn auch sonst keine Führerscheine, Plaketten oder Pässe bei Neueinführungen gemacht werden, sollte man bei den digitalen Geräten auch nicht plötzlich damit anfangen, denn so läuft man Gefahr, diesen einen herausragenden Stellenwert einzuräumen. Die grundsätzliche Haltung sollte sein: ein ergänzendes Angebot, dass nicht andere wesentliche Bausteine des pädagogischen Alltags verdrängt sondern ergänzt und optimiert. D.h. bisher hat die pädagogische Fachkraft den Waldspaziergang vielleicht mit einem Bilderbuch eingeführt. Nun hat sie aber dazu noch eine App entdeckt, mit der die Kinder ins Thema einsteigen können, bevor es mit Becherlupe, Sammelbeutel und Proviant raus in den Wald geht. Mit in den Wald kommt auch das Tablet, mit dem z.B. Tierspuren, Pflanzen und Nester fotografiert und Tierstimmen aufgenommen werden. Zurück in der Kita wird dann gemeinsam geforscht, bestimmt und analysiert... (App-Empfehlungen zum Thema Natur sind z.B. zu finden auf http://kinderappgarten.de/lern-apps/natur-apps)

Tablets & Bücher

Die Vorlesestudie 2012 hat den Einfluss von Smartphones, Tablets und E-Readern auf die Vorlesesituation in Familien untersucht und aufgezeigt, dass die familiäre Ausstattung mit Tablets unabhängig vom Bildungsniveau ist, dass jede dritte Familie, die ein Tablet besitzt, auch Bilder- und Kinderbuch-Apps verwendet und dass diese auch Väter zum Vorlesen animieren, die sich sonst beim Vorlesen immer noch sehr zurückhalten. Die Studie belegt, dass die neue Technik das Buch beim Vorlesen nicht ablöst, sondern dass Bilder- und Kinderbuch-Apps ergänzend genutzt werden. Eltern wählen die App für unterwegs und das Buch zum Kuscheln. Hier gibt es ein hohes Potenzial, gerade auch Familien mit formal niedriger Bildung mit neuen Vorleseangeboten zu erreichen und Vorlesen noch selbstverständlicher und vielfältiger in den Alltag von Familien zu integrieren.

Dieses Potenzial aufgreifend könnte die Kita z.B. eine Vorauswahl aus dem großen Kinderbuch-App-Angebot treffen, dann gemeinsam mit den Kindern die Apps bewerten und auf einem Aushang die Kinderbuch-App des Monats empfehlen. Das setzt natürlich voraus, dass zunächst gemeinsam Qualitätskriterien zur Beurteilung entwickelt worden sind.

Tablets im Einsatz – Risiken und Chancen

Natürlich gibt es im Zusammenhang mit dem Medieneinsatz im Vorschulbereich immer die Sorge, dass das soziale Miteinander und die Kommunikation darunter leiden könnte. Die Erzieher/innen sollten daher anregen und darauf achten, dass geeignete Apps zum Einsatz kommen und dass die Kinder nicht alleine sondern gemeinsam das Tablet nutzen. Beim gemeinsamen Spielen und Forschen am Tablet findet ein reger Austausch über die Inhalte statt und die Kinder geben sich gegenseitige Unterstützung beim Verstehen von Zusammenhängen und beim Bewältigen von Aufgaben.

Wird das Tablet als Werkzeug verstanden, eröffnet sich eine Vielzahl kreativer Möglichkeiten, um die bisherige pädagogische Arbeit zu ergänzen. Voraussetzung ist natürlich die medienpädagogische Kompetenz der pädagogischen Fachkräfte. Bilder- und Geräuscherätsel, Fotogeschichten und -collagen, Hörspiele, digitale Malereien, Trickfilme uvm. können mit Hilfe des Tablets erstellt werden. Steht ein Beamer zur Verfügung, können im "Kitakino" z.B. die selbst geknipsten Fotos vom Waldspaziergang geguckt werden, die Ergebnisse der Fotoaktion zum Thema Emotionen, die selbst erstellten Bilderrätsel oder Bildreihen zum Thema 'das Alphabet in der Umgebung'. Bisherige Vorleserituale können erweitert werden um das "Bilderbuch-Kino", in dem ausgewählte Bilderbuch-Apps zu einer ganz besonderen Aktion für die ganze Gruppe werden.

Thematisch passende Spiel- und Lern-Apps können in die Projektarbeit integriert werden. Neben wischen, tippen und zoomen darf dann sogar mal das ganze Tablet 'geschüttelt' werden, um den Fisch an die Angel oder möglichst viele Puzzle-Teile beim Tierpuzzle zu bekommen. Und es gibt sogar eine Reihe kostenloser Apps, die im Kontext medienpädagogischer Projekte einen kreativen Medienumgang fördern können.

Mit iMotion HD (von FingerLab) lassen sich spielend leicht Trickfilme mit Kindern erstellen – und das sogar ganz spontan auch mal ohne Stativ, denn das iPad lässt sich auch schnell mal zwischen zwei gut gefüllten Stiftedosen fixieren. Der "Zwiebeleffekt" erleichtert es den Kindern, zu kontrollieren, dass die Bewegungen ihrer Figuren möglichst klein und damit später flüssig und nicht sprunghaft sind.

Incredibooth (von Hipstamatic, LLC) erinnert an einen Passbildautomaten, der Fotostreifen mit 4 kurz hintereinander geschossenen Fotos erstellt. Die Kinder halten das iPad selbst, sehen sich im Display und das Grimassenschneiden kann beginnen... Die entstandenen Fotostreifen können abgespeichert und ausgedruckt werden.

Es gibt auch eine große Auswahl an Apps zum Malen und Gestalten. Mit Crayola (von von Griffin Technology) können Kinder aus eigenen Fotos Malvorlagen erstellen und am Rechner kolorieren oder ausdrucken und anmalen. Mit Doodle buddy (von Pinger, Inc.) können eigene Fotos als Hintergrund gewählt und darauf gemalt und gestempelt werden. Die Bilder können abgespeichert und ausgedruckt werden.

Tablets und Sicherheit – alles eine Sache der Einstellung...

Tablets müssen – wie herkömmliche Computer auch – vor Viren und anderen Zugriffen von außen geschützt werden. Außerdem lassen sich in den Einstellungen eine Reihe nützlicher Einschränkungen vornehmen, wenn das Tablet in Kinderhände gegeben wird. Ist z.B. der "Flugmodus" aktiviert, können die Kinder keine interaktiven Dienste nutzen, also auch nicht selbst Apps downloaden. Zugriff auf persönliche Daten sollte nach der Installation von Apps nur gewährt werden, wenn dies auch sinnvoll erscheint. So braucht z.B. eine Fotoapp Zugriff auf die Bilder nicht aber auf den Standort oder das Adressbuch.

Und zu Hause?

Nicht selten nutzen Eltern die technischen Medien als Babysitter. Das Tablet und auch das Smartphone mit attraktiven Spielen, interessanten Fotos und Filmchen bieten sich als mobiles und daher jederzeit verfügbares "Programm" an. Nicht nur lange Autofahrten werden so scheinbar Nerven schonender überbrückt, auch in Alltagsituationen oder während langer Wartezeiten (an der Bushaltestelle, im Wartezimmer, am Bankschalter...) in denen Kinder nicht toben oder zu laut sein können, werden die Tablets (oder Handys) gezückt. Das neugierige Erfassen und Erkunden der Situation und des "Raums", was Kinder normalerweise tun, wird so kaum mehr zugelassen, da die Kinder sich in einen digitalen Raum der Software begeben (und die Erwachsenen sich in Zeitschriften vertiefen). Das kann durchaus Sinn machen, denn mache Situationen sind trostlos und öde und da können die digitalen Welten Spielspaß und Bildungshäppchen bieten. Allerdings darf nicht vergessen werden, auch Wartezeiten sind Situationen, in denen Kommunikations- und Einigungsprozesse zwischen Eltern und Kindern stattfinden können, Frustrationstoleranz geübt werden kann, die Umgebung neugierig betrachtet werden kann.

Schlusswort...

Tablets im Kindergarten: gibt's dafür 'ne App? Es gibt nicht nur eine, sondern eine Vielzahl und sogar etliche sehr gute. Die pädagogischen Fachkräfte haben die Qual der (Aus-)Wahl und sollten sich der Auseinandersetzung mit dem Für und Wider des Einsatzes von Tablets im Kindergarten stellen. Denn anders als der Computer wird das Tablet von den Eltern sogar schon den ganz Kleinen in die Hand gegeben. Kindertageseinrichtungen sind gefordert, Eltern bei der wichtigen Aufgabe der kindlichen Medienkompetenzförderung zu unterstützen und Kinder in der Auseinandersetzung und kompetenten Bewältigung der sie umgebenen Medienwelt zu begleiten.

Literatur

 

Feierabend, Sabine / Mohr, Inge:
Mediennutzung von Klein- und Vorschulkindern. In: Media Perspektiven 9/2004. S. 453 - 461.

Neuß, Norbert:
Touch me. Wie nutzen Kinder Handy, Apps und Tablets? In: Kinder & Medien. Was Erwachsenen wissen sollten. Seelze-Velber 2012. S. 116 – 127.

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest:
FIM 2011. Familie, Interaktion & Medien. Untersuchung zur Kommunikation und Mediennutzung in Familien. Stuttgart, Februar 2012. www.mpfs.de

Orde, Heike vom (Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen – IZI):
Grunddaten Kinder und Medien 2012. Zusammengestellt aus verschiedenen Befragungen und Studien. München Januar 2013.
http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/Grunddaten_Kinder_u_Medien_2012_de.pdf

Rösch, Eike / Demmler, Kathrin / Jäcklein-Kreis, Elisabeth / Albers-Heinemann, Tobias (Hrsg.):
Medienpädagogik Praxis . Handbuch. Grundlagen, Anregungen und Konzepte für Aktive Medienarbeit. München 2012.

Sander, Uwe / Gross, Friederike von / Hugger, Kai-Uwe (Hrsg.):
Handbuch Medienpädagogik. Wiesbaden 2008.

Schneider, Beate / Scherer, Helmut / Gonser, Nicole / Tiele, Annekaryn:
Medienpädagogische Kompetenz in Kinderschuhen. Eine empirische Studie zur Medienkompetenz von Erzieherinnen und Erziehern in Kindergärten. Im Auftrag der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM). Schriftenreihe der NLM Band 27. Berlin 2010.

Six, Ulrike/ Gimmler, Roland:
Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten. Eine empirische Studie zu Bedingung und Handlungsformen der Medienerziehung 2007. Schriftenreihe Medienforschung der LfM Band 57.

Sächsisches Staatsministerium für Kultus & Stiftung Lesen (Hrsg.):
Mediale Welten. Medienbildung bei Kindern im Alter von 5 bis 8 Jahren in Kindertageseinrichtung und Grundschule. Mainz 2012
www.derlehrerclub.de/materialarchiv/schule/pdf/712
und: Praktische Tipps und Hintergrundinformationen für Eltern rund um die Medienerziehung von Kindern im Alter von 5-8 Jahren.
www.derlehrerclub.de/materialarchiv/schule/pdf/713

Stiftung Lesen:
Vorlesestudie 2012: Vorlesen mit Bilder- und Kinderbuch-Apps. Repräsentative Befragung von 250 Vätern und 250 Müttern.
www.stiftunglesen.de/service/publikationen-und-materialien/material_institut/752/

Stiftung Lesen:
Vorlese-Studie 2011: Die Bedeutung des Vorlesens für die Entwicklung von Kindern. Repräsentative Befragung von 10- bis 19-Jährigen.
www.stiftunglesen.de/service/publikationen-und-materialien/material_institut/504/