maus 03 01Fotografieren mit Kindern

Ein Fotoprojekt im Sprachheilkindergarten der Arbeiterwohlfahrt in Oldenburg
im Rahmen der berufsbegleitenden ErzieherInnenfortbildung
"Medienprojekte in Kindergarten und Hort" des Blickwechsel e.V.

Dauer: ca. 9 Wochen

Projektziele

  • Fotografie als ein Ausdrucksmittel entdecken
  • Den Weg vom kritischen Sehen zum bewussten Gestalten ausbauen
  • Kennen lernen verschiedener Aufnahmeperspektiven
  • Mit digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten von Fotos experimentieren
  • Entwickeln von Phantasie, Kreativität und Experimentierfreude
  • Kennen lernen fotografischer Prozesse
  • Umgang mit chemischen Mitteln

Das Projekt wurde mit 8 Kindern im Alter von 5 bis 7 Jahren durchgeführt.

maus 03 01Fotografieren mit Kindern

Ein Fotoprojekt im Sprachheilkindergarten der Arbeiterwohlfahrt in Oldenburg
im Rahmen der berufsbegleitenden ErzieherInnenfortbildung
"Medienprojekte in Kindergarten und Hort" des Blickwechsel e.V.

Dauer: ca. 9 Wochen

Projektziele

  • Fotografie als ein Ausdrucksmittel entdecken
  • Den Weg vom kritischen Sehen zum bewussten Gestalten ausbauen
  • Kennen lernen verschiedener Aufnahmeperspektiven
  • Mit digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten von Fotos experimentieren
  • Entwickeln von Phantasie, Kreativität und Experimentierfreude
  • Kennen lernen fotografischer Prozesse
  • Umgang mit chemischen Mitteln

Das Projekt wurde mit 8 Kindern im Alter von 5 bis 7 Jahren durchgeführt.

Vorüberlegungen

In der Einrichtung fotografiere ich die Kinder häufig mit meiner Spiegelreflexkamera. Das ganze Kindergartenjahr über werden die Kinder bei Festen, Gruppenangeboten, Aktionen, Freispiel usw. fotografisch begleitet, um zum Abschied des Kindes ein Fotoalbum zu gestalten.
Auf die speziellen Fragen der Kinder über Fotografie (z.B. Wie kommt das Bild in die Kamera?), konnte ich nur bedingt antworten, da ich unsicher war. Mir fehlte die Erfahrung, mein theoretisches und praktisches Wissen von Fotografie kindgerecht weiterzugeben.

Als ich nach der Praxiswoche der Fortbildung "Medienprojekte in Kindergarten und Hort" des Blickwechsel Vereins im April wieder in den Kindergarten kam, fragten die Kinder gleich nach, was ich gelernt hatte. Ich bereitete alles vor und zeigte und erklärte ihnen die ganzen erarbeiteten Materialien. Die Kinder waren begeistert und fragten gleich: "Wann können wir das auch machen?"

Also plante ich das Projekt "Die kleinen Paparazzi – Fotografieren mit Kindern", das in eine Ausstellung unserer Ergebnisse im Rahmen des Kindergarten-Sommerfestes münden sollte.

Verlauf des Projektes: Tag 1-3

Zu allererst mussten natürlich die Grundlagen der Fotografie erarbeitet werden, damit die Kinder überhaupt einen Eindruck bekommen konnten, was es mit dem Fotografieren bzw. dem Umgang mit einer Kamera so auf sich hat.
Zur Einführung diente uns das Buch "Wissen mit Pfiff – Fotografie" (Fleurus-Verlag, ISBN: 3-89717-226-7), das wir uns alle gemeinsam ansahen.

Tag 4

maus 03 02Nach der gemeinsamen Einführung konnte sie losgehen, die Erkundung der Fotowelt. Zunächst besprachen wir die verschiedenen Perspektiven, aus denen ein Foto "geschossen" werden kann. Dann bastelten wir eine Papier-Faltkamera, die aus zwei Teilen bestand. Diese Teile konnte man auseinander- und zusammenschieben, um den so genannten "Sucher" einer Kamera zu imitieren. Die Kinder konnten so üben, das zu fotografierende Motiv genau zu fixieren. Einige Kinder erstellten ihre eigenen "Fotos", indem sie ein kleines Stück Papier bemalten und in ihre Faltkamera steckten.



Tag 5-9

maus 03 07

In den darauf folgenden Tagen erhielten die Kinder eine Einführung in das Fotografieren mit der Digitalkamera. Sie machten Portraitfotos von anderen Kindern und schauten sich die Bilder anschließend am PC an.In diesen Tagen hatten die Kinder jederzeit die Möglichkeit mit der Digitalkamera zu fotografieren. Sie gingen sorgsam mit dem neuen Medium um. Selbst Streitereien, wer jetzt an der Reihe ist, gab es nicht. Bei der Einspielung der Fotos auf den PC brauchten die Kinder anfangs Unterstützung, doch nach einiger Zeit klappte es bei den meisten.

Außerdem bastelten wir als Raumdekoration "Filmnegativstreifen" aus Tonkarton, auf die Fotos der Kinder geklebt wurden und dekorierten unseren Kindergarten, indem wir Filmdosen, alte Negative, Filmschachteln, Diarahmen und vieles mehr aufhängten.

Tag 10-13

maus 03 06In den darauf folgenden Tagen suchten sich die Kinder aus ihren entstandenen Fotos Bilder für ein Foto-Memory aus, die sie dann ausdrucken, einlaminieren und zu Memory-Karten ausschneiden konnten. Damit die Karten auch alle zusammen blieben, bastelten wir dazu passende Pappschachteln.

Eines Morgens begann ein Kind der Projektgruppe, sich Schachteln, Toilettenpapierrollen, Kronkorken usw. aus unserer Bastelkiste zusammen zu suchen, um daraus eine Kamera zu bauen. Andere Kinder schlossen sich ihm an. Es wurde geklebt, geprickelt, geschnitten und gemalt. Auch eine Kordel zum Umhängen der Kamera musste erstellt werden – wie bei "richtigen TouristInnen".

Diese Aktion hatte ich für unser Projekt eigentlich gar nicht eingeplant.

Tag 14

Nach all dem Basteln mit Schere, Kleber und Papier ging es dann kreativ am Computer weiter. So erstellten die Kinder einerseits mit dem Programm "MS Picture It" Fotomontagen, indem sie ihre Portraits in verschiedene vorgegebene Motive (z.B. ein Astronaut, ein Punker, ein Cowboy etc.) einfügten. Andererseits konnten sie mit der Software "Kai´s Power Goo" nach Belieben ihre Gesichter per Mausklick verziehen und verzerren, so dass lustige Grimassen entstanden.

Tag 15



maus 03 05An diesem Tag widmeten wir uns einer ganz spannenden Sache: wie funktioniert die Filmentwicklung? Um das genauer heraus zu finden richteten wir eine Dunkelkammer ein. Dafür benötigten wir eine Menge Materialien:

Zunächst einmal natürlich einen dunklen Raum, in dem das Fotopapier (z.B.: Gradation 2 oder 3 oder Multigrade-Papier) aus der Schachtel genommen und entwickelt werden kann. Zudem braucht man die Entwickler- und Fixierflüssigkeit, eine Rotlichtlampe als Dauerlichtquelle in der Dunkelkammer, eine Glasplatte, eine kleine Lampe zum Belichten (25 Watt) und drei farblich gekennzeichnete Plastikschalen für den Entwicklungsprozess (z.B.: rot: Entwicklungsbad; weiß: Stoppbad (Wasser mit Essigessenz); beige: Fixierungsbad). Um die Ausstattung zu vervollständigen benötigten wir außerdem ein großes Becken zum Auswässern, eine Abstreifzange und eine Leine zum Trocknen der Fotos.

Tag 16-30

Was man mit Fotopapier, Entwicklerflüssigkeit und Fixierer so alles Kreatives machen kann probierten wir in den nächsten Tagen aus. Als erstes erstellten wir so genannte Fotogramme. Ein Fotogramm entsteht, indem man das Fotopapier in der Dunkelkammer der Verpackung entnimmt, die Schichtseite (glänzend) mit möglichst flachen, lichtundurchlässigen Materialien belegt (Blätter, Textilgewebe, Schlüssel...), das Ganze mit einer schweren Glasplatte bedeckt (damit kein Licht unter die aufgelegten Motive gerät und sich das Fotopapier nicht wölbt) und anschließend mit einer Schreibtischlampe 1-5 Sekunden belichtet. Wenn man nun das Fotopapier von den Materialien befreit und in das Entwicklungsbad legt, wird ein Motiv sichtbar (Fotopapier schwarz, Motiv weiß). Anschließend wird das "Foto" erst in das Stoppbad, dann in das Fixierungsbad gelegt und zum Abwässern ins Wasserbecken gelegt.

Jetzt nur noch an die Leine zum Trocknen und fertig ist das Fotogramm. Aus unseren fertigen Fotogrammen bastelten wir Postkarten und Passepartoutkarten.

maus 03 04

Doch man kann auch auf andere Weise mit den gleichen Materialien kreativ werden.

Nach unseren Fotogrammen beschäftigten wir uns mit dem Herstellen von Chemogrammen mit Fixiererflüssigkeit. Dafür wird die Schichtseite des Fotopapiers mit Pinsel, Wattestäbchen, Wattebausch und dergleichen mit Fixierer bemalt, betropft, usw. Ergebnis: Ein weißes Motiv auf schwarzem Grund. Das Fixierbad neutralisiert das Fotopapier und daher kann es nach dem Fixieren weder durch Licht noch durch Entwickler verändert werden.

Aber nicht nur mit Fixierer kann man Chemogramme herstellen. Man kann ebenso das Fotopapier mit Entwicklerflüssigkeit bemalen. Bei dieser Technik ist zu beobachten, wie sich die betropften oder bemalten Stellen auf dem Fotopapier nach kurzer Zeit schwarz färben. Ergebnis: Ein schwarzes Motiv auf weißem Grund – Entwickler schwärzt das belichtete Papier.

Auch die Chemogramme klebten wir auf Postkarten, um sie bei unserer geplanten Ausstellung verkaufen zu können.

Tag 31

maus 03 03Schon beinahe zu Profis geworden, was Foto- und Chemogramme angeht, wagten wir uns an eine Spielart des Chemogramms: die Foto-Batik. Foto-Batiken werden im Hellen angefertigt. Und so funktioniert´s: Fett ist Wasser abweisend. Diese einfache Tatsache stellt die Grundlage der Foto-Batik dar. Wir fetteten unsere Hände relativ dick mit Creme ein und pressen einen Handabdruck auf das Fotopapier. Partien, die auf der Schichtseite des Fotopapiers mit fetthaltiger Handcreme bedeckt sind, werden von den Chemikalienbädern nicht beeinflusst. Sie sind also später auf dem Bild weiß zu sehen. Der Hintergrund ist schwarz. Hand-Abdrücke sind die einfachste Form der Foto-Batik.

Tag 32-34

maus 03 08Nachdem wir uns so viele Tage mit digitalen Bildern und dem Vorgang des Fotoentwickelns beschäftigt hatten, wollten wir unsere eigenen "richtigen" Fotos knipsen und wagten uns an das Fotografieren mit der Spiegelreflexkamera. Die Kinder waren eifrig dabei und gingen auch trotz der Größe der Kameras vorsichtig und sorgsam mit den Geräten um.

Da wir uns doch noch nicht als vollendete Profis fühlten, brachten wir unsere vollen Filme zur Entwicklung in ein Fotofachgeschäft. Am nächsten Tag holten wir die entwickelten Filme ab, schauten uns alle Bilder an, besprachen sie und trafen eine Auswahl für unsere Ausstellung.

Neben der regen Diskussion, wie wir die Ausstellung unserer Projektergebnisse gestalten sollten, besprachen wir auch noch, wie unser Kindergarten an eine eigene Digitalkamera kommen könnte. Wir beschlossen, ein Schreiben für Spenden aufzusetzen und ein Sparschwein im Kindergarten aufzustellen, um so Geld für eine eigene Digitalkamera zu sammeln.

Tag 35-39

Unsere Ausstellung rückte immer näher und somit begannen wir, alles vorzubereiten. Wir erstellten neue Memorys, die wir verkaufen wollten, schnitten sie aus und laminierten sie. Wir falteten und beschrifteten auch dazu passende Schachteln. Außerdem suchten wir Fotos unserer Arbeit heraus und klebten sie auf bunte Karten. Zu guter letzt bauten wir gemeinsam Stellwände auf, die wir mit unseren Bildern und Fotos gestalteten.

Tag 40

 

Unser großes Finale: die Fotoausstellung der kleinen Paparazzi auf dem Sommerfest des Kindergartens!

Leider haben wir keine Fotos von der Ausstellung gemacht – wir waren so beschäftigt und haben das Fotografieren einfach vergessen; doch die örtliche Presse erwähnte unsere Ausstellung in der Zeitung.

Alles in allem war die Fotoausstellung ein voller Erfolg. Unsere Memorys und Fotokarten fanden reißenden Absatz. Selbst unser Spendenschwein wurde gefüttert. Von dem Erlös wollten wir eine Digitalkamera kaufen. Die Kamera wurde uns aber dann freundlicherweise von der Firma geschenkt, die uns diese für das Projekt zur Verfügung gestellt hatte.

Reflexion

Nachdem ich zu Beginn des Projektes eine klare Verlaufsstruktur hatte, ging es mit Begeisterung und viel Spaß los. Obwohl ich anfangs doch viele Ängste bezüglich der geliehenen Kameras hatte, verlief die Arbeit mit der Digitalkamera einwandfrei. Nach nur kurzer Zeit vertraute ich den Kindern und konnte meine Bedenken fallen lassen.

Der Projektverlauf musste manchmal geändert werden, da die Kinder ihre eigenen Ideen, Phantasien und ihre Kreativität mit einbrachten. Dadurch wurde das Projekt länger als geplant. Dennoch war es für mich zu keiner Zeit mit Stress verbunden, was auch an der guten Zusammenarbeit mit meinen direkten Kolleginnen lag.

Alles in allem ein sehr positives, arbeitsintensives und Spaß bringendes Projekt, dank der Praxisangebote, der Vermittlung, der Unterstützung und des Engagements von Carola Michaelis und Susanne Roboom vom Blickwechsel e.V., sowie der Unterstützung meiner Kolleginnen Kathrin Seyffarth und Birte Haschen.

Planung, Durchführung und Dokumentation des Projekts

Brigitte von Varel

Sprachheilkindergarten der Arbeiterwohlfahrt in Oldenburg