2c computer

(Computer-)Kunst im Kindergarten

Ein medienpädagogisches Projekt
im Kindergarten Fuldablick (DRK-Kreisverband Hann.Münden e. V.)
im Zuge einer Fortbildung des Blickwechsel e. V.



Vorüberlegungen

Wir, der DRK Kindergarten Fuldablick, sind eine zweigruppige Einrichtung. Als uns der DRK Landesverband Niedersachsen kostengünstig einen Computer mit allem Zubehör zur Verfügung gestellt hat, stand als nächstes die Überlegung an, wo der Computer bei uns im Kindergarten am besten positioniert werden kann. Da es ein ruhiger Raum sein sollte, der für beide Gruppen zugänglich ist, funktionierten wir den Mehrzweckraum in einen Medienraum um.

Aus jeder Gruppe nahm eine Erzieherin bereits an der berufsbegleitenden Fortbildung des Blickwechsel e.V. teil, um das anschließende Projekt zu begleiten. Aus organisatorischen Gründen wählten wir für dieses Projekt die Kinder aus, die im Sommer eingeschult werden sollten.

2c computer

(Computer-)Kunst im Kindergarten

Ein medienpädagogisches Projekt
im Kindergarten Fuldablick (DRK-Kreisverband Hann.Münden e. V.)
im Zuge einer Fortbildung des Blickwechsel e. V.



Vorüberlegungen

Wir, der DRK Kindergarten Fuldablick, sind eine zweigruppige Einrichtung. Als uns der DRK Landesverband Niedersachsen kostengünstig einen Computer mit allem Zubehör zur Verfügung gestellt hat, stand als nächstes die Überlegung an, wo der Computer bei uns im Kindergarten am besten positioniert werden kann. Da es ein ruhiger Raum sein sollte, der für beide Gruppen zugänglich ist, funktionierten wir den Mehrzweckraum in einen Medienraum um.

Aus jeder Gruppe nahm eine Erzieherin bereits an der berufsbegleitenden Fortbildung des Blickwechsel e.V. teil, um das anschließende Projekt zu begleiten. Aus organisatorischen Gründen wählten wir für dieses Projekt die Kinder aus, die im Sommer eingeschult werden sollten.

Einstieg

Nach der Einführungswoche planten wir den Einstieg in unser Computerprojekt. Gemeinsam erarbeiteten wir verschiedene Fragestellungen und Aufgaben, die wir mit den Kindern bearbeiten wollten: Was ist Hardware/Software? Wie schalte ich einen Computer an und aus? Welche Programme sind installiert? Welche können wir für uns nutzen? Welche Programme/Spiele sind den Kindern bekannt? Erstellen gemeinsamer Regeln zur Nutzung des Computers.

Hier endete unsere konkrete Planung, um flexibel auf die Interessen und Wünsche der Kinder eingehen zu können. Vor Beginn des Computerprojektes beschäftigten wir uns mit dem Thema Kunst. Die Kinder waren mit so viel Eifer dabei, dass wir sehen wollten, ob sich beide Themen miteinander verbinden lassen.

Ziele des Computerprojektes

• Den Computer als Lern- und Arbeitsmittel in den Kindergartenalltag integrieren
• Den sachgemäßen Umgang mit dem Medium erlernen
• Den Kindern, die keinen Computer zu Hause haben, die Möglichkeit geben diesen kennen zu lernen
• Kindern, die einen Computer zu Hause haben, andere Möglichkeiten außer Spiele spielen aufzuzeigen

Projektverlauf: Tag 1 - 5

Tag 1: Wie ist der Wissensstand der Kinder? Erzählkreis

Wir begannen unser Computerprojekt mit einem Erzählkreis. Die Kinder hatten Gelegenheit über ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Computer zu berichten. Dabei stellten wir fest, dass in fast jeder Familie ein Computer vorhanden ist. Der Umgang mit diesem wird recht unterschiedlich gehandhabt. Einige der Kinder dürfen gar nicht an den Computer der Eltern, besitzen aber einen Kinder-Computer. Andere dürfen den Computer der Familie zum Spielen und Malen mit benutzen.

Lediglich eins der Kinder hatte bisher noch keine Erfahrung am Computer sammeln können.

Anschließend schauten wir uns gemeinsam unseren Computer an. Wir forderten die Kinder auf, die einzelnen Peripheriegeräte mit Namen zu benennen. Monitor, Tastatur, Maus und Lautsprecher waren den Kindern auf Anhieb bekannt, bei Drucker und Rechner waren sie etwas unsicher, den Scanner kannten sie nicht.

Auf unsere Frage, was man mit einem Computer alles machen kann, antworteten die Kinder sehr schnell:

(Lern-)Spiele spielen, Bilder malen, Texte schreiben sowie Briefe (e-Mails) verschicken und empfangen.

Tag 2: Einführung in die Hardware: "Überraschungskiste"

Um den Kindern das „Innenleben" des Rechners etwas näher bringen zu können, haben wir eine Seitenwand abgenommen und die Kinder hineinschauen lassen. Wir sprachen mit ihnen, warum sie so etwas zu Hause natürlich nicht machen dürfen und kamen zu dem Ergebnis, das der Rechner normalerweise an das Stromnetz angeschlossen ist und außerdem die einzelnen Teile des „Innenlebens" sehr empfindlich sind und schnell kaputt gehen können.

Da das Interesse der Kinder an der Technik des Rechners sehr groß war, konnten wir unsere vorbereitete „Überraschungskiste" zum Einsatz bringen, in der sich von der Grafikkarte bis zum Prozessor sämtliche Hardware-Teile eines Computers befanden.

Wir erklärten den Kindern, dass die Teile aus unserer „Überraschungskiste" nicht mehr funktionsfähig seien und sie sie deshalb auch in die Hand nehmen dürften. Dabei sprachen wir über die Funktion dieser Teile im Rechner. Schließlich versuchten die Kinder diese Teile den verschiedenen Stellen am Mainboard zuzuordnen.

Sie waren sehr überrascht als sie bemerkten, dass das, was sie zusammengesetzt hatten, so aussah wie die Rückseite unseres Rechners. Außerdem waren sie stolz darauf, die richtige Anordnung der einzelnen Teile aus der „Überraschungskiste" gefunden zu haben.

Zum Schluss schauten die Kinder noch einmal in unseren geöffneten Rechner und konnten sogar einige Teile wieder erkennen und benennen.

Tag 3-5: Regeln & Bilderbuchbetrachtung

In diesen Tagen wagten wir uns also das erste Mal an den Computer. Zu aller erst wollten wir gemeinsam mit den Kindern am PC Regeln zur Nutzung unseres Computers aufstellen und mit Bildern gestalten.

Ein Kind, das schon Erfahrung im Umgang mit Computern hatte, durfte den Computer anschalten. Überrascht stellte es fest, dass auf dem Bildschirm etwas anderes zu sehen war als zu Hause. Wir erklärten den Kindern, dass man sich an dieser Stelle für eines der Benutzerkonten entscheiden muss. Jedes Benutzerkonto ist mit einem Bild gekennzeichnet. Die Kinder suchten sich ihr eigenes Benutzerbild aus und es konnte losgehen.

Wir öffneten ihr Konto und erklärten ihnen die einzelnen Bilder auf dem Desktop. Um die Regeln aufschreiben zu können, öffneten wir das Schreibprogramm "Word".

Bevor die Kinder das erste Mal mit dem Computer arbeiten durften, setzten wir uns gemütlich zusammen und überlegten gemeinsam, welche Regeln für die Handhabung wichtig sind. Anschließend sprachen wir darüber, wie genau wir unsere Regeln aufschreiben bzw. darstellen könnten. Einige wussten, dass in unserem Computer Bilder gespeichert sind, die man hinter die geschriebenen Regeln drucken kann.

Wir zeigten den Kindern, wo die Clip Arts zu finden sind und sahen sie uns an. Da die Auswahl nicht sehr groß war und die Kinder sich aus diesem Grund nicht einigen konnten, schlugen wir ihnen vor, am nächsten Tag noch eine CD-Rom mit anderen Clip Arts mitzubringen.

So wurden dann die gemeinsam aufgestellten und illustrierten Regeln ausgedruckt und aufgehängt:

Regeln für unseren Computeraum

1. Nicht ohne einen Erwachsenen an den Computer gehen

2. Nicht toben und keine Ballspiele

3. Nicht essen

4. Nicht trinken

Dann sprachen wir darüber, wo es überall Computer gibt und welche Aufgaben sie haben.

Den Rest des Tages schauten wir uns in Kleingruppen ein neues Bilderbuch (Wieso, Weshalb, Warum? – "Alles über den Computer und das Internet", Ravensburger-Verlag 2002) an. Hier gab es eine Menge zu entdecken.

Tag 6-12: Arbeiten mit Paint

Das meiste Interesse galt dem Malprogramm (Paint). Wir zeigten ihnen, wie man das Programm öffnet und erklärten die wichtigsten Funktionen der Symbole. Wir bildeten Kleingruppen und die Kinder hatten die Möglichkeit, in Ruhe alles auszuprobieren.

Im Laufe der Zeit wurden die Kinder zusehends mutiger und experimentierfreudiger und es entstanden sehr schöne Computerbilder. Sie erkannten in ihren Bildern eine Ähnlichkeit zu den Bildern, die sie während eines Besuchs in einer Galerie gesehen hatten.

So kamen sie auf die Idee, ihre eigenen Bilder auszudrucken und aufzuhängen und selbst eine Bilderausstellung zu machen, damit die Computerkunst anschließend begutachtet und besprochen werden konnte.

Tag 13: Betrachten unserer Computerkunst

Im Stuhlkreis betrachteten wir noch mal unsere Computerkunst-Bilder, die wir auf dem Boden verteilt hatten. Jedes Kind hatte Gelegenheit zu erzählen, wie es ihm beim Malen der Bilder ergangen ist. Viele fanden es sehr schwer kleine Felder „mit dem Farbtöpfchen" zu „treffen". Einige fanden es gut, dass man immer wieder ein neues „Blatt" nehmen konnte, andere waren fasziniert davon, Fehler schrittweise rückgängig machen zu können.

Außerdem waren die Kinder begeistert davon, wie einfach es ist Pinsel, Spraydose, Stift und Farbtöpfchen untereinander auszutauschen und sich beliebig neue Farben auszusuchen.

Tag 14: Besuch in der Kunstausstellung

Die Eltern eines Kindergartenkindes, selbst Kunsttheoretiker und Künstler, verfolgten unser Projekt aufmerksam und luden uns zu ihrer neuen Bilderausstellung ein. Die Ausstellung faszinierte die Kinder unter anderem durch das Format (1,70m x 2,10m) und die Anordnung der Bilder (Bilderschlange). Außerdem erfuhren sie sehr viel über unterschiedliche Mal- und Gestaltungsmöglichkeiten. Am Ende beantworteten die Künstler alle auftauchenden Fragen der Kinder. Als wir gingen, schenkte uns der Künstler zur Erinnerung an die Ausstellung einen Bilderkatalog, in dem seine Bilder noch einmal zu sehen waren. Auf die Frage eines Kindes, wo man so einen Katalog kaufen könne, antwortete der Künstler, dass er ihn selbst am Computer entworfen hat. Das fanden unsere Kinder so gut, dass wir beschlossen so etwas auch zu machen.

Tag 15-30: Bilder, die der Computer nicht malen kann

Zurück in unseren eigenen 4 Wänden unterhielten wir uns über unsere Erfahrungen und Entdeckungen in der Kunstausstellung. Mit dem Bilderkatalog in der Hand sprachen wir noch einmal über die Bilder und erfuhren so, was den Kindern am besten gefallen hatte. Sie fanden es toll, dass auch mit Sand, Kleber und Ölfarbe gearbeitet worden war. So kamen wir auf die Idee, ebenfalls Bilder so zu gestalten, wie es am Computer nicht möglich ist. Die Kinder überlegten, was an Material im Kindergarten zur Verfügung steht und welche Techniken sie anwenden wollten.

Wir wollten uns ausreichend Zeit nehmen, Bilder für unseren eigenen Katalog anzufertigen.

In den darauf folgenden 2 Wochen entstanden unsere Werke. Grenzenlos waren die Ideen der Kinder und alle gingen mit Begeisterung an die Gestaltung ihrer Bilder. Mit Paint hatten sie ja bereits erste Kunstwerke geschaffen.

Jetzt galt es, viele andere Materialien und Techniken auszuprobieren. Von Zeichnungen mit Deckweiß auf schwarzem Tonpapier, Arbeiten mit gefärbtem Sand und Kleister über Aquarellbilder, Zeichnungen mit Pastellkreide, Wachszeichnungen auf Schmirgelpapier (Original mit Bügelabdruck) bis hin zu Arbeiten mit Ölfarben, Eierpappen, Prägefolien und anderem kreativ einsetzbaren Gebrauchsmaterial – die kleinen Künstler waren mit Eifer bei der Sache.

Ein paar Beispiele:

maus 01 08 maus 01 09

Zeichnen und Malen mit Paint

maus 01 10

Wachsmalfarbe auf Schmirgelpapier

maus 01 11

Arbeiten mit Prägfolie

maus 01 12

Glitzerfische

Nach diesem kreativen Exkurs in die Welt der Künstler und bildenden Künste ging es zurück an den Computer.

Tag 31-34: Wie kommen die Bilder in den Computer?

Da wir ja all unsere entstandenen Kunstwerke in einem Katalog präsentieren wollten, überlegten wir gemeinsam, wie wir die Bilder in den Computer bekommen könnten. Die Idee der Kinder war es, den Scanner zu benutzen. Da unsere Bilder unterschiedliche Formate hatten, war das Einscannen nur bei einigen möglich. Gemeinsam mit den Kindern scannten wir die passenden Bilder ein und speicherten sie im Computer.

Um auch die großformatigen Kunstwerke im Computer bearbeiten zu können, wurden sie von den Kindern mit der Digitalkamera abfotografiert. Das Ruhighalten der Kamera war dabei eine große Herausforderung.

Anschließend zeigten wir den Kindern, wie die Bilder mit Hilfe eines Datenkabels in den Computer übertragen und gespeichert werden können.

Wir öffneten Word, stellten das gewünschte Seitenformat ein und erklärten den Kindern, wie man die Bilder in das Dokument einfügt. Mit unserer Hilfe konnten sie die gescannten und abfotografierten Bilder aufrufen und einfügen. Anschließend schrieben sie noch ihre Namen unter die Bilder und schon war die Seite fertig. Nachdem alle Kleingruppen ihre Seiten fertig gestellt hatten, wurde der erste Bilderkatalog ausgedruckt.

Projektverlauf: Tag 35 - 40

 

Tag 35: „Kinderüberraschung"

Als Überraschung für die Kinder gestalteten wir ein Deckblatt für unseren Kunstkatalog und scannten Fotos von ihnen ein.

Um jedem Kind einen eigenen Katalog schenken zu können, druckten wir noch weitere Exemplare aus.

Tag 36: Einladung zur Bilderausstellung

Gemeinsam mit den Kindern wurde eine Einladung zu unserer Bilderausstellung am Computer gestaltet. Die Kinder hatten viel Spaß beim Experimentieren mit Word Art.

Tag 37-39: Planung und Vorbereitung der Ausstellung

In diesen drei Tagen haben wir die Bilder für unsere Ausstellung ausgesucht und teilweise auf farbigen Tonkarton geklebt. Nachdem wir uns überlegt hatten, wie wir den Raum gestalten wollen, machten wir uns daran, die Bilder an den Wänden zu befestigen.

Tag 40: Projektabschluss: Unsere Bilderausstellung

Am Tag der Ausstellung fanden sich viele Eltern im Kindergarten ein und bestaunten die Werke ihrer Kinder. Nicht ohne Stolz präsentierten die Kinder anschließend ihr Können am Computer und erklärten den Eltern, wie ihr Bilderkatalog entstanden ist.

Es wurde ein gemütlicher „Projektabschluss-Nachmittag".
Die Kinder freuten sich sehr als sie beim Abschied ihren eigenen Bilderkatalog von uns geschenkt bekamen.

Reflexion

Als wir nach Ostern mit unserem Computerprojekt begannen, dachte niemand im Team, dass es sich über einen Zeitraum von 13 Wochen erstrecken würde.
Die Arbeit in den Kleingruppen war besonders intensiv und wir waren überrascht über den Wissensstand der Kinder.

Da wir nur einen Computer zur Verfügung hatten, mussten sich die Kinder trotz Kleingruppenarbeit über einen relativ langen Zeitraum diszipliniert verhalten und bewiesen viel Ausdauer. Die Fähigkeit, allein den Computer hochfahren und ein Programm öffnen zu können, erfüllte sie mit Stolz. Bei der Arbeit am PC waren sie sehr konzentriert. Überrascht hat uns auch die Tatsache, dass sich unser Computerprojekt zu einem Computer-Kunst-Projekt entwickelt hat.

Die Kinder waren mit so viel Freude und Ideenreichtum bei der Sache, dass das Projekt sehr spannend und abwechslungsreich war und die Zeit sehr schnell verging.
Unser Ziel, den Computer in unsere Kindergartenarbeit einzubinden als ein Medium, das man viel nutzen kann, aber keinen übergeordneten Stellenwert haben sollte, war erreicht!
Das Projekt wurde von Kindern, ErzieherInnen und Eltern sehr positiv bewertet!

Projektdurchführung und -dokumentation

Verantwortlich für die Planung, Durchführung und Dokumentation des Projektes:
Bianca Kessler & Doris Engelbrecht