eeb Textlogo fEine Kampagne zur Medienarbeit gegen Gewalt!

Ende Dezember 2003 ging die Kampagne "Fernsehen macht Spaß – aber ohne Gewalt!?" zu Ende. Mehr als 200 Erzieher/innen und 150 Eltern beschäftigten sich auf Fortbildungen und Elternabenden intensiv mit Fragen rund um die Wirkung von medialer Gewalt auf Kinder. Auf den Veranstaltungen, durchgeführt vom Blickwechsel e.V. – Verein für Medien- und Kulturpädagogik, wurde aufgezeigt, warum und wie Kinder Fernsehgewalt konsumieren, wann es sie ängstigt und wie darauf pädagogisch eingegangen werden kann.

 

Anhand von Filmbeispielen und neuen Erkenntnissen aus der Gewaltwirkungsforschung wurde nach Antworten gesucht und es wurden Perspektiven eröffnet, wie pädagogische Fachkräfte und Eltern diesem Phänomen im Kindergarten und zuhause aktiv begegnen können. Eine Möglichkeit stellte auch die medienpraktische Arbeit in der Kindertagesstätte dar, bei der die Kinder eigenständig in Videoprojekten oder in Hörwerkstätten das Thema bearbeiten konnten.

Die Kampagne wurde von der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und der Niedersächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk (NLM) initiiert und finanziert. Die Evangelische Erwachsenenbildung Niedersachsen konzipierte, plante und begleitete in Kooperation mit den evangelischen Fachberatungen für Kindertagesstätten, dem Diakonie-Kolleg-Hannover und dem Blickwechsel e.V. die Kampagne innerhalb einer Planungsgruppe. Eine Publikation "Fernsehen macht Spaß – aber ohne Gewalt!?" zur Kampagne wurde erstellt und kann über die Evangelische Erwachsenenbildung Niedersachsen bestellt werden (siehe unten).

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Ende Dezember 2003 ging die Kampagne "Fernsehen macht Spaß – aber ohne Gewalt!?" zu Ende. Mehr als 200 Erzieher/innen und 150 Eltern beschäftigten sich auf Fortbildungen und Elternabenden intensiv mit Fragen rund um die Wirkung von medialer Gewalt auf Kinder. Auf den Veranstaltungen, durchgeführt vom Blickwechsel e.V. – Verein für Medien- und Kulturpädagogik, wurde aufgezeigt, warum und wie Kinder Fernsehgewalt konsumieren, wann es sie ängstigt und wie darauf pädagogisch eingegangen werden kann.

 

Anhand von Filmbeispielen und neuen Erkenntnissen aus der Gewaltwirkungsforschung wurde nach Antworten gesucht und es wurden Perspektiven eröffnet, wie pädagogische Fachkräfte und Eltern diesem Phänomen im Kindergarten und zuhause aktiv begegnen können. Eine Möglichkeit stellte auch die medienpraktische Arbeit in der Kindertagesstätte dar, bei der die Kinder eigenständig in Videoprojekten oder in Hörwerkstätten das Thema bearbeiten konnten.

Die Kampagne wurde von der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und der Niedersächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk (NLM) initiiert und finanziert. Die Evangelische Erwachsenenbildung Niedersachsen konzipierte, plante und begleitete in Kooperation mit den evangelischen Fachberatungen für Kindertagesstätten, dem Diakonie-Kolleg-Hannover und dem Blickwechsel e.V. die Kampagne innerhalb einer Planungsgruppe. Eine Publikation "Fernsehen macht Spaß – aber ohne Gewalt!?" zur Kampagne wurde erstellt und kann über die Evangelische Erwachsenenbildung Niedersachsen bestellt werden (siehe unten).

Können Fernsehsendungen Ängste und Aggressivität schüren?

Viele befürchten, dass vor allem Kinder durch Fernsehbilder überfordert werden, und dass durch Fernsehsendungen Ängste und Aggressivität geschürt werden. Diese Sorge ist nicht unberechtigt, zumal das Fernsehen von vielen Kindern täglich genutzt wird und sie nicht immer nur die für sie vorgesehen Inhalte nutzen. Die Sorge greift aber zu kurz, wenn sie nur das Fernsehen als Ursache für aggressives Verhalten von Kindern begreift und andere Faktoren wie die Familie, das Miteinander in der Kindergartengruppe oder das Kind in seiner Besonderheit außer Acht lässt. Die Bedeutung und die Wirkung gewalthaltiger Darstellungen auf die kindliche Entwicklung lassen sich nicht auf eine einfache kausale Formel bringen.
Kann man sich ein Fernsehprogramm ohne Gewalt überhaupt vorstellen? Nicht wirklich – oder? Welche Bilder erinnern Sie, wenn Sie zum Thema "Gewalt im Fernsehen" assoziieren? Sind es Tom & Jerry, die sich unentwegt gegenseitig das Leben schwer machen, die trotz schlimmer Attacken mit einer Beule davon kommen, als wäre nichts geschehen? Oder fällt Ihnen der letzte Fernsehkrimi ein, als die Tote auf dem Obduktionstisch lag? Kann es auch sein, dass die letzten Nachrichtenbilder wieder wachgerufen werden? Ein Konfetti der Gewalt, menschliche, strukturelle und die der Natur: Bombenanschläge, Feuersbrunst, weinende Menschen, ängstliche Gesichter, Staus auf der Autobahn, Tote und Verletzte, zerstörte Wälder und Häuser, Politiker unter Betrugsverdacht, neue Richtlinien in der Steuerpolitik, Vogelgrippe, Kannibale vor Gericht........?

Endlos könnte die Aufzählung sein der Bilder, Szenen, Darstellungen von Gewalt im Fernsehen. Wieso das so ist? Sicher nicht zuletzt, weil Gewalt und aggressives Verhalten Teil des menschlichen Verhaltens sind, sie sind Bestandteile der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Normen, der gesellschaftlichen und somit auch der medialen Realität. Gewalt spiegelt Machtverhältnisse wieder, zwischen Geschlechtern, kulturellen Vereinigungen, sozialen Gruppen, alt und jung. Gewalt und Misshandlungen auf dem Bildschirm sind nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft sondern auch die Projektionsfläche der tatsächlichen und der fiktionalen Gewalt.

Formen der Gewaltdarstellungen

Kann man diese unterschiedlichen Formen der Gewalt miteinander vergleichen? Nein, denn Gewalt ist nicht gleich Gewalt, tatsächlich müssen wir differenzieren und zwar nicht nur die Art der Darstellung im TV sondern vor allem auch wer die Inhalte wie konsumiert, versteht und einordnet. Selbst Erwachsene definieren recht unterschiedlich, was sie als Gewalt empfinden, und so ist auch die Gewalt, die von Kindern als bedrohlich empfunden wird, nicht einfach zu umschreiben. Denn gesellschaftliche und persönliche Bedingungen beeinflussen die Wahrnehmung und die Verarbeitung von gewalthaltigen Fernsehinhalten.

"Der Mann hat da das Pferd geschlagen. Wenn der das Pferd schlägt, das ist gemein, das tut dem doch weh!", sagte einmal ein 6jähriges Mädchen auf die Frage, was sie Schlimmes im Fernsehen gesehen hat. Für Kinder wird Gewalt zunächst mit körperlicher Gewalt verbunden, und sie verbinden sie mit ihrem ganz persönlichen Angstempfinden. Sie beobachten und erleben in ihrem Familien- oder Kindergartenalltag unterschiedlichste Formen von Gewalt, aber sie formulieren sie nicht unbedingt als solche, sie sagen dazu eher "Ich hatte Angst; Das war brutal; Der ist gemein; Die ist böse!"

Das im Alltag und in der Familie ausgeformte Gewaltverständnis wird von Kindern auch bei ihrer Wahrnehmung und Beurteilung von Gewalt im Fernsehen zugrunde gelegt. Die Gewalt, die Kinder im Fernsehen sehen, interpretieren sie also immer auch in Rückkopplung mit ihrer eigenen, erlebten gesellschaftliche Realität. So entwickelt jedes Kind in dieser Auseinandersetzung eine individuelle Gewalt- und Angstschwelle, diese wiederum ist vom sozialen Gefüge, in dem ein Kind groß wird, beeinflusst. Das oben zitierte Mädchen hat viel mit Pferden zu tun, sie reitet selbst und weiß aus eigener Erfahrung, wie Pferde reagieren und wie das Verhältnis zu und der Umgang mit ihnen aussehen sollte. Ihre Erfahrungen sind ein persönlicher Maßstab dafür, welche Gewaltdarstellungen sie als harmlos oder als lustig empfindet und welche sie ängstigt und belastet. Andere Kinder hätten diese Fernsehszene vielleicht gar nicht so lange mit sich "herum geschleppt". Es ist ganz deutlich: Medial inszenierte Gewalt wird von jedem Kind erst einmal subjektiv und daher sehr unterschiedlich wahrgenommen.

Gewalt in Zeichentrickfilmen

Die "Gewalt" in von Kindern viel und gern gesehenen Zeichentrickfilmen werden übrigens von ihnen in der Regel nicht als Gewalt eingestuft, im Gegenteil, solche Szenen gefallen vielen Kindern. Wieso ist das so? Weil diese Filme wesentliche Elemente beinhalten: Es fließt kein Blut und es gibt keine Opfer die folgenreiche Leiden haben. In diesen fiktionalen Sendungen wird mit "sauberen" Gewaltdarstellungen gearbeitet, die für die meisten Kinder unproblematisch ist. Das Strickmuster dieser Sendungen beruht auf dem alten Gegensatz zwischen Gut und Böse. Das Gute setzt sich gegen das Böse mit zumeist lustiger List und witzigen Tricks aber auch mit Fäusten oder Waffen zur Wehr. Solange die Guten gewinnen ist für die Kinder vieles in Ordnung. In den meisten dieser Filmgeschichten setzten sich "Kleine" gegen "Große", Kinder gegen die Welt von Erwachsenen, gegen Monster oder gegen die Ungerechtigkeit der Welt zur Wehr. Hier werden für Kind wichtige Themen aufgegriffen: Denn auch im richtigen Leben müssen sich kleine Kinder in einer Welt der Erwachsenen zurechtfinden, erleben Ungerechtigkeit und sind stets aufgefordert, das Richtige zu tun. In solchen Filmen lassen sich auch mal physikalische Grenzen überschreiten, Allmachtsphantasien ausleben, das ist alles im echten Leben kaum möglich und solange es sich im echten Leben nicht negativ auswirkt und auf Kosten anderer geht, besteht nicht wirklich ein Problem.

Problematische Medieninhalte

Es sind andere Inhalte, die Kindern Probleme bereiten können. So sind am Nachmittag ausgestrahlte Programmvorschauen, die auf Krimis oder Actionfilme hinweisen – dies geschieht zumeist mit drastischen und spannungsreichen Gewaltszenen – für Kinder oftmals heikel. Die gezeigten Bildhäppchen sind aus dem Zusammenhang gerissen, emotionalisieren und hinterlassen Fragen, sofern sie nicht aufgearbeitet werden. Weiterhin sind sehr realistisch dargestellt Gewaltszenen, wie sie im so genannten Reality-TV wie z.B. in den gerade so populären Gerichtsshows gezeigt werden, nicht klar als Fiktion zu erkennen, wie es etwa bei den meisten fiktionalen Zeichentrickfilmen der Fall ist. Gerade in Reality-TV-Sendungen, in denen wahre Begebenheiten von Schauspielenden sehr realistisch nachgestellt werden, empfinden Kinder oft großes Unbehagen und haben Schwierigkeiten, das Gesehene zu verarbeiten. Auch die in Nachrichten oder Informationssendungen gezeigten Gewaltdarstellungen können Kinder stark irritieren und ängstigen. Das liegt daran, dass dabei die Gewalthandlungen für die Opfer mit drastischen Konsequenzen verbunden sind. Dieses Gefühl wird dann fast unerträglich, wenn das behandelte Thema nah an der kindlichen Erfahrungs- und Vorstellungswelt liegt, z.B. wenn gezeigt wird, wie ein Kind vom Balkon fällt, ein Junge mit dem Fahrrad in einen Stacheldraht fährt, eine Mutter in der Wanne ohnmächtig wird und fast ertrinkt oder Kinder von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen sind. Da das alles Inhalte sind, die in der Alltagswelt der Kinder passieren können, ist die Möglichkeit, dass Kinder die Situation auf das eigene Leben übertragen, eher gegeben. Hier werden bestehende Ängste geschürt und Unsicherheiten bestärkt. Solche Szenen können in den Köpfen der Kinder noch lange "nachhallen" und dazu führen, dass Kinder nicht alleine schlafen wollen oder sich plötzlich vor Dingen fürchten, die sie sonst nicht geängstigt haben. Diese Ängste können Kinder in ihrer gesamten körperlichen und seelischen Entwicklung beeinträchtigen.

Multifaktorielles Wirkungsmodell

Es ist grundsätzlich nicht davon auszugehen, dass Kinder aufgrund von gesehenen, gewalthaltigen Sendeinhalten auch selbst Gewalt ausüben. Aggressivität bei Kindern hängt immer auch davon ab, welche Verarbeitungsmöglichkeiten sie erhalten und wie Gewalt vom Lebensumfeld bewertet wird. Wenn in einer Familie über Gesehenes gesprochen wird und sie mit ihren Sorgen ernst genommen werden, dann lernen sie, Medieninhalte und auch das Miteinander zu reflektieren. Dazu gehört es auch Konflikte auszuhandeln und adäquate Problemlösungsmuster zu erarbeiten. Wir können Kinder nicht dauerhaft vor problematischen Medieninhalten bewahren, sie müssen auch lernen, mit ihnen umzugehen, auszuwählen und eventuell abzuschalten.

Eltern haben Vorbildfunktion


Die Fernsehbedürfnisse von Kindern müssen ernst genommen werden. Kinder nutzen das Fernsehen – wie Erwachsene auch – zur Information, Unterhaltung, zur Gestaltung sozialer Situationen oder um aus dem Alltag in Phantasiewelten abzutauchen. Es ist notwendig, den Kindern aber die notwendige Fernseh- und Konsumkompetenz vermitteln. Ein Appell an alle, die mit Kindern leben und arbeiten: Seien Sie ein Vorbild nicht nur im Alltagshandeln sondern auch beim Fernsehkonsum.

Medienerziehung in Kiga / Hort und Familie

Es gibt eine Fülle von medienpraktischen Möglichkeiten, das Thema "Gewalt im Fernsehen" mit Kindern zu bearbeiten: Es lassen sich Gesprächsrunden initiieren und anschließend können die Kinder Bilder zu den Szenen zeichnen und malen, die sie als beängstigend oder gar als gewalttätig wahrgenommen haben. Die Kinder können sich auch mit einem Kassettenrekorder gegenseitig zu der Thematik interviewen oder "gute" Fernsehtipps geben. Sie können in inszenierten Freiräumen wie zum Beispiel einem ‚Erlebnisland Fernsehen' ihre Medienerfahrungen im Rollenspiel bearbeiten, es kann gemeinsam ein Film angesehen werden oder es kann ein Videoprojekt durchführt werden. Jede dieser Möglichkeiten bietet spezifische Ansatzpunkte um (medien-) pädagogische Ziele zu erreichen. Wir unterstützen Sie gerne, wenn es um die Medienerziehung im Kindergarten und Hort geht.

Publikation

Die Publikation "Fernsehen macht Spaß – aber ohne Gewalt!?"
kann über die Evangelische Erwachsenenbildung Niedersachsen bestellt werden:
Tel.: 0511. 1241 – 413; Fax: 0511. 1241 – 465
Mail: eeb.lgst.hannover@evlka.de

Informationen / Kontakt

Blickwechsel e.V. – Verein für Medien- und Kulturpädagogik
Geschäftstelle Göttingen: Telefon/-fax: 0551. 48 71 06;
Mail: blickwechsel@blickwechsel.org
Internet: www.blickwechsel.org